Zitronenfalter - verlieren, verstehen, verbinden, vertrauen


SS 2017

Studierende

Jennifer Humbert


Projektart

Master

Tod, Trauer und Verlust sind Themen, vor denen wir uns gerne verschließen und die wir eher aus unserem Leben verdrängen wollen. Es ist unangenehm, sich damit zu beschäftigen. Früher oder später bleibt uns aber nichts anderes übrig und wir müssen uns dieser Herausforderung stellen.

Zitronenfalter ist ein Konzept zur Trauerbegleitung und Verlustbewältigung. Das zentrale Element stellt ein Buch dar, dass Trauernde an die Hand nimmt, ihnen die Situation auf erleichternde Weise verständlich macht und sie ermutigt. Im Buch findet der Trauernde verschiedene Aufgaben, Anregungen und Ideen, um sich selbstständig mit seiner Trauer auseinanderzusetzen und einen eigenen Weg zu finden, mit ihr umzugehen, ohne auf Hilfe und Ratschläge von außen angewiesen zu sein.

Vier Erkenntnisse aus der neuen Trauerforschung und meiner Recherche, sowie eigenen Erfahrungen legen den Grundstein des Konzeptes. Demnach sollte sich der Trauernde mit sich und folgenden Themen beschäftigen: verbunden sein, verstanden werden, weiter leben und sich vertrauen. So umschreibe ich die eigentlich medizinischen oder psychologischen Fachbegriffe, um dem Trauernden nicht das Gefühl zu geben, ein kranker Patient zu sein. Denn die Trauer ist ein ganz normaler Teil des Lebens, aber eben auch sehr individuell. Und so muss jeder einen eigenen Weg im Umgang mit seiner Trauer finden.

Neben dem An-die-Hand-Nehmen und der Begleitung ist es mir auch wichtig, dem Thema die Schwere und das Beängstigende zu nehmen. Daher habe ich mich dafür entschieden, die verstorbene Person nicht ebenso zu benennen, sondern ihr den Namen Zitronenfalter zu geben. Der Name vermittelt Leichtigkeit und hat etwas Ungreifbares. Das lässt dem Trauernden Raum, um seine eigenen Bilder entstehen zu lassen und die Charakteristika der nahe stehenden verstorbenen Person zu projizieren.

Das Konzept innerhalb des Buches wird ergänzt durch einen Abreiß-Kalender für ein Jahr, der am Sterbetag des Zitronenfalters beginnt und für jeden Tag einen Rat, ein Mantra, ein Zitat oder eine Idee zur Auseinandersetzung mit der Trauer enthält.

Außerdem gibt es ein Memory-Spiel mit leeren Karten, die man selbst mit Erinnerungen an den Zitronenfalter füllen kann. Digitale Daten und Erinnerungen können auf einem USB-Stick in Form einer Kette am Körper getragen werden. Ein Notizbuch wartet darauf mit Erinnerungen und Geschichten gefüllt zu werden und schließlich wird das Konzept durch eine Serie von Kondolenzkarten abgerundet.