"warte raum" - Vergegenwaertigung des Dazwischen


SS 2020

Studierende

Lisa-Madeleine Hoffmann


Projektbetreuung

Prof. Katharina Hinsberg


Studiengänge

Kunsterziehung


Richtung

Zeichnung


Projektart

Abschlussarbeit Lehramt

Lisa-Madeleine Hoffmann: "warte raum" - Vergegenwärtigung des Dazwischen, Abschluss Kunsterziehung, 2020, Graphit auf Papier, 100 x1000 cm, Entstehungsprozesses

Ein beengter Raum. Ich sitze auf einem großen, weißen Blatt. Einen fingerdicken Graphitblock in den Händen. Gleicht das Papier nicht eher einem Feld? In seinen Grenzen ausgebreitet und bemessen? Es erschließt sich entlang seiner Ränder. Grenzen zum Rand und zum Raum. Über dem Feld eine Papierrolle im gleichen Breitenmaß, aber in ihrer Länge mir noch unbekannt. Dazwischengelegtes. Dazwischengestelltes? Ein Zeitraum. Anfang und Ende mir vorgegeben.

Hier und jetzt halte ich mich auf; ganz unmittelbar wie in einer Landschaft und zeichne. Das Feld bearbeiten und pflügen. Falzen, Ziehen, Nachziehen. Gestik der Hand, des Körpers und des Raums. Die Handlung wird zur Bewegung. Die Lineatur wird zum Körper. Die Fläche wird zum Implikationsfeld. Bin ich nur Beobachterin dieser Prozesse? Ist es die Bewegung selbst, die zu Spuren führt? Versunken in zeitlosem Tun trete ich für einen Moment zur Seite. Steige aus der schnelllebigen Welt aus. Nur kurz. Aber nicht ganz. Räumlich-Zeitlich-Seiend Zeichnungsräume bildend.

Die Werke werden voneinander gelöst, befinden sich aber in unmittelbarer Nähe zueinander. Ist diese Entfernung vielleicht eher ein Verschwinden der Ferne? Bewusst im fußgängerischen Raum ohne Sockel und ohne Rahmen angesiedelt ist der Betrachter aufgefordert, die grafischen Arbeiten aktiv zu umgehen, zu begehen und sich seinerseits Zeit zu nehmen, die linearen Strukturen zu lesen. Mit jedem Schritt ändern sich die Bezüge. Die Relationen von Linie sind variabel, ausgehend von den Sichtachsen.

In meiner künstlerischen Arbeit warte raum versuche ich, einen bemessenen Zeitraum einzufangen. Etwas Vages wahrnehmbar zu verzeichnen. Wie wirkt es sich aus, wenn zwar viel Zeit vorhanden ist, aber wenig Raum? Wenn die Bewegung, das Tun, eingeschränkt ist? Die gezogene Linie verstehe ich hier nicht mehr als Ausdruck von Bedeutung. Nicht die durchlebte Handlung ist wichtig, sondern die durchlebte Zeit.

Ich warte, also bin ich.