Vollbestuhlung


Installation
SS 2019

Studierende

Tim Jungmann


Studiengänge

Freie Kunst


Projektart

Diplom

Tim Jungmann: Vollbestuhlung, Diplom 2019, Repetition 1, Gips

„Stühle sind Apparate des heutigen Lebens.“ - Marcel Breuer

Das Diplomprojekt Vollbestuhlung hat das Alltagsobjekt Stuhl zum Ausgangspunkt und untersucht zum einen dessen Form, zum anderen die Formung, die dieser auf den Menschen ausübt.
Täglich verweilt der Mensch mehrere Stunden in der kleinen Raumeinheit ohne darüber nachzudenken, in was für einer absurden, krankmachenden und geradezu blöden Haltung er sich dabei befindet. Er hat das Sitzen als eine natürliche Haltung angenommen, und die Stühle sind darüber aus seinem Bewusstsein verschwunden. Er bedient sich ihrer, in der blinden Annahme, sie würden ihn nicht beeinflussen, sondern gefügig dienen. Doch sie schreiben ihm Verhaltensweisen vor, fügen ihn fest ein in Konventionen und formen ihn dabei physisch und psychisch. Der Mensch wird geistig und körperlich in die Form des Stuhls eingepasst, fixiert und drüber selbst zum Stuhl.

Die Installation beinhaltet zum einen eine Serie von fünf Wandobjekten. Diese bestehen jeweils aus der Fotografie eines Stuhls, welcher demontiert und zu einem Rahmen verarbeitet wurde, in dem anschließend sein Abbild gefasst wird. Zum anderen beinhaltet sie eine Gruppe von 12 Gipsskulpturen, eine Reihung von Abgüssen eines Sprossenstuhls. Sie haben dasselbe Stuhlmodell als Ausgangspunkt und weisen doch, bedingt durch den Prozess des Abgießens, durch Zufall und gezielte Manipulationen, alle eine individuelle Formung auf. Teilweise sind diese Unterschiede nur sehr subtil, manche Modelle nehmen jedoch auch skurrile Formen an. Die entstandenen Variationen und Verschiebungen in der Konstruktion der Abgüsse und ihre Präsentation in einer dichten Abfolge, heben den repetitiven Moment besonders hervor. Diese Wiederholung vergrößert, steigert und übertreibt.