Unort


SS 2017

Studierende

Nina Andrea Kronenberger


Studiengänge

Kommunikationsdesign


Projektart

Diplom

Ansicht der Wandbilder in der Gemeinschaftsunterkunft

Was macht einen Unort aus? Universalität. Eine Flüchtlingsunterkunft ist kein Ort der ein »Zuhause« sein soll. Dennoch wohnen Geflüchtete über lange Zeiträume darin und versuchen ihren Alltag in der neuen Umgebung zu bewältigen. Sinnhaftigkeit und Verortung sind die Grundlage für jeden Menschen um Zufriedenheit zu erlangen. Universalität wird durch den Menschen erzeugt und kann durch ihn auch wieder gebrochen werden. Denn mit der Zeit in der er in ihm wohnt und ihn nicht nur nutzt, verändert der Mensch den Raum.
Die Intention des Diplomprojekts bestand darin, die räumliche Universalität die in einem Flüchtlingsheim vorherrscht, zu brechen. Die Bewohner sind eingebettet in Ungewohntem. Gewohntes soll mit dem Ungewohnten verbunden werden, um formal Brücken zu Bauen.
Sieben Monate arbeitete ich in einem, mir zur Verfügung gestellten Sprachraum in der Gemeinschaftsunterkunft in der Kossmannstraße, St. Arnual, mit den Bewohnern zusammen. Ein bis zwei mal in der Woche trafen wir uns am Abend und versuchten uns an verschiedenen Zeichentechniken und Motiven. In dem Heim sind ausschließlich Männer untergebracht. Wir arbeiteten meist zu sechst oder zu siebt, wobei die Gruppe sich im Laufe der Zeit immer wieder veränderte.
Manche gingen, andere kamen hinzu, wobei immer ein Kern von vier Männern blieb. Mein letztendliches Ziel, die Wände des ehemaligen Bürokomplexes zu bemalen, wollten wir vorserst außer Acht lassen, um frei arbeiten zu können.
Um den verschiedenen ästhetischen Vorstellungen gerecht zu werden, versuchten wir uns gegen Ende des Projekts an experimenteller abstrakter Arbeit mit arabischen und lateinischen Buchstaben: Die lateinische Schrift steht für das Morgenland und die westliche Kultur, während die arabische Schrift das islamisch geprägte Abendland repräsentiert.
Wie ist es möglich arabische und deutsche Buchstaben miteinander zu verbinden, ohne dass sie sich selbst verlieren? Deutet man Schrift als »das niedergeschriebene Bild der Sprache, das Bild des Klanges«1, dann ergeben die Wandbilder eine Unterhaltung, zwischen den zwei Welten. Im Vordergrund steht nicht, dass das Gesagte verstanden wird – im Vordergrund steht, dass Kommunikation entsteht.
Die Umsetzung beanspruchte zwei Monate in denen wir die Motive mit Hilfe eines Overheadprojektors an die Wand übertrugen und sie mit den Originalen, gerahmten Zeichnungen kombinierten. In Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz wurden die Ergebnisse in einem öffentlichen Sommerfest mit Führungen, selbst gemachtem Essen, Tanz und Musik präsentiert.

Schwitters, Kurt, Texte zur Typografie,Zürich, 2012, S.14.