NEW MIMEO REVOLUTION


SS 2019

Studierende

Chiara Schwarz


Studiengänge

Kommunikationsdesign


Projektart

Diplom

Chira Schwarz: NEW MEMEO REVOLUTION, Flugblatt No. 49

Hintergrund

Die Mimeo-Revolution war einst eine Bewegung junger Künstler*innen im Amerika der 1950er und 1960er Jahre, die mit viel eigenem Engagement und einem Matrizendrucker, auch Mimeograph genannt, ihre Kunst und oppositionellen Gedanken unter den Leuten verbreiteten.

Der Mimeograph wurde Ende des 19. Jahrhunderts erfunden, als die immer größer werdende Bürokratie das Anfertigen von Kopien erforderte. Doch kurz nachdem er die Büros revolutioniert hatte, eroberte das günstige und einfache Verfahren bereits die Straße: Schulen, Kirchen, Subkulturen und Parteien druckten, unabhängig von Druckereien und großen Verlagen, ihre eigenen Blätter. So auch die Studentengruppierung „Weiße Rose“, die sich in Kriegszeiten gegen das Nazi-Regime verbündet hat; oder Studenten während der 68er Revolutionen, die sich weltweit gegen starre Strukturen, Unterdrückung, den Vietnamkrieg oder die rigide Sexualmoral wehrten. Die Punk-Bewegung der 70er und 80er Jahre stellte alles Dagewesene im Design in Frage und entwickelte eine Formensprache, die bis heute sowohl Do-It-Yourself-Kultur als auch Sachkundige beeinflusst.

 

Ziel der Arbeit

Ich drucke heute Flugblätter mit dieser traditionsbehafteten Technik, denn ich möchte mich nicht darauf ausruhen, was viele Generationen vor uns und für uns erreicht haben. Viel mehr möchte ich mich selbst engagieren und mir die Hände schmutzig machen, um dann hoffentlich auch etwas zu bewegen. 

Zum Einen möchte ich durch dieses Projekt den längst ausgestorbenen Mimeographen wieder bekannter machen und aufzeigen, wie viel emotionaler und ideenreicher ein von Hand gedrucktes Blatt sein kann. Zum Anderen möchte ich die Leute, die bisher nicht so empfänglich für wichtige politischen Themen waren, allen voran mich selbst, für solche sensibilisieren, indem ich sie mit einer direkten, emotionalen oder auch lustigen, aber vor allem sehr bewussten Formen- und Symbolsprache mit einbeziehe. Was diese zwei Ziele verbindet, ist ein Spiel mit der Vergänglichkeit, denn ich greife gestalterisch wie auch inhaltlich oft auf vergangene Ideen zurück, die jedoch aktuelle Ereignisse und Emotionen wiedergeben.

Ich drucke 100 verschiedene Flugblätter zu politisch aufgeladenen Themen wie Demokratie, Menschenrechte, -Umweltschutz oder Digitalisierung an einem Ideal-Matrizendrucker von 1967 und einem Gestetner-Drucker aus den 1950er Jahren. Neben politischen Themen beschäftige ich mich aber auch mit Philosophen und Künstlern, die besonders wortgewandt oder emotional Werte vermitteln, Kritik üben oder aus dem Herzen sprechen.