MUKBANG


SS 2019

Studierende

Julia Gerhards


Studiengänge

Freie Kunst


Projektart

Diplom

Julia Gerhards: MUKBANG, Diplom 2019, Intervention Nr. 3: Modellsitzung, Performance in Videoinstallation

Ich versuche permanent mich selbst zu optimieren - meine Arbeitsabläufe, meine Zeitpläne, was ich esse, meinen Körper... Doch gerade im körperlichen Bereich komme ich an meine Grenzen und scheitere oft bei meinen Nahrungssentscheidungen. In den Interventionen von MUKBANG thematisiere ich diesen innerlichen Konflikt: Ich projiziere ein Video auf schwarzen Stoff, in dem ich viel und Ungesundes esse. Durch den Loop scheine ich damit nicht mehr aufzuhören und greife performativ in dieses Video ein.

Der Begriff „Mukbang“ [mʌk̚.p͈ aŋ] kommt aus dem Koreanischen und bedeutet „Fernsehsendung mit Essen“. Es ist ein koreanisches Kunstwort aus 먹는 [mʌ̹k̚t͈a̠ ] für „essen“ und 방송 [pa̠ ŋsʰo̞ ŋ“] für „senden/übertragen“. In Süd-Korea gibt es den Trend, im Fernsehen oder auch im Internet Menschen zu zeigen, die vor der Kamera eine Mahlzeit essen oder wettbewerbsähnlich riesige Portionen verschlingen.

Ich interveniere in meine eigene andauernde „Essattacke“, indem ich mit weißer Kleidung in das Bild trete und zwei Interventionen abspiele. In der „Intervention Nr. 1: Lilie im Tal“ sage ich ein Gedicht auf, das vor allen Dingen eine Auflistung von wunderschönen Blumennamen ist. Ich setze mich in Bezug zu den Blumen („Ich bin eine Lilie im Tal, eine Rose...), denn ich glaube, dass jeder Mensch eine natürliche intrinsische Schönheit in sich trägt. Dieses Betonen der eigenen Schönheit soll die Essattacke beenden, doch ich scheitere.

Die „Intervention Nr. 3: Modellsitzung“ macht mich bzw. das Video zu einem Modell: Ich ziehe den Vorhang zurück und zeichne mich, bzw. das projizierte Videobild. Ein absurder Vorgang, da das Video nicht still steht. Ebenso ist es unüblich, eine Essattacke zu zeichnen, sie zur Kunst zu erheben. Durch diesen Akt der Modellsitzung möchte ich der Person in dem Video wieder Würde zurückgeben. Die Zeichnung wird nach dem Zeichnen zum Betrachten auf eine Platte im Raum gelegt.

In der „Intervention Nr. 4: Just a number“ fordere ich den Besucher auf, in das Geschehen zu intervenieren, indem er auf eine Waage steigt. Das Gewicht wird laut im Ausstellungsraum angesagt. Denn letztlich ist das Gewicht nur eine Zahl - just a number. Über sie darf öffentlich geredet werden (warum reden wir eigentlich nie über unser Gewicht?). Man darf mit dieser Zahl eine Beziehung eingehen (Begrüßung), muss sich aber auch von ihr wieder verabschieden können. Die Arbeit „Just a number“ funktioniert auch ohne das Video, sie ist nicht zwingend an die Ausstellungssituation gekoppelt.

Die Interventionen führe ich zu unterschiedlichen Zeiten, während der Öffnungszeiten auf. Das Video läuft unablässig. Niemand kann die Essattacke aufhalten.