mono land form


SS 2018

Studierende

Caroline Heinzel


Studiengänge

Freie Kunst


Richtung

Public Art


Projektart

Bachelor

Feld-Fotografien paarweise im Spielfeldschema

mono land form erfasst den aktuellen Zustand einer Kulturlandschaft im ländlichen Raum und deutet auf dessen Verknüpfung mit politischen und ökonomischen Transformationsprozessen. Die Arbeit problematisiert zudem die Auswirkungen landschaftlicher Transformation auf unser Orientierungs- und Identifikationsvermögen. Jede Gesellschaft, auch jede urbane, ist ökonomisch, ökologisch und kulturell von intakten ländlichen, landwirtschaftlich geprägten Räumen abhängig ‒ die Menschen, die dort leben, sind es auch psychologisch. Aufgrund geringer Bezüge zur Landwirtschaft fehlt dieses Verständnis weitestgehend. Die künstlerische Arbeit initiiert deshalb einen raum-, diskurs- und handlungsorientierten Übertragungsprozess. Ästhetisch ermöglicht sie es, Rezipient*innen sich nicht nur visuell und akustisch, sondern auch motorisch-kognitiv und gemeinschaftlich mit kontextualisierten Bildern und Dokumenten einer ländlichen Region auseinandersetzen. Ein globales Diskursfeld breitet sich anhand einer Fallstudie aus: Im Fokus steht eine Region in Mecklenburg-Vorpommern, in der politische und ökonomische Strukturen vor und seit 1990 bis heute strukturelle Verarmung von Landschaften und Ökosystemen befördern und die darin enthaltenen kulturellen und psychologischen Bezugssysteme zersetzen. Was in Mecklenburg-Vorpommern besonders ausgeprägt ist, ist eine deutschland- und europaweite Entwicklung ‒ mit klaren Parallelen zu globalen ökonomischen und ökologischen Prozessen.

Auf einem Tisch befindet sich ein memo-Spiel mit Landschaftsaufnahmen. Es sind 48 Karten zur Interaktion, davon 22 Paare und vier Sonderkarten. Die Fotografien bilden Felder ab, auf denen Energiemais und Raps in Monokultur sowie Wintergetreide angebaut werden. Die Bildinhalte sind auffallend unterschiedsarm, was die Problematik sowohl inhaltlich, als auch rezeptiv beschreibt, denn die Orientierung auf dem Spielfeld ist erschwert. Formal entsprechen die Fotografien sich einander genau ‒ mit perspektivischem Fokus auf den Boden und Andeutung eines zusammenhängenden landschaftlichen Raums anhand eines schmalen Himmelsstreifens. Die rückseitig grau-blauen Karten mit weicher Haptik befinden sich auf einem ebenfalls grau-blau lackierten Spieltisch. Die Farbe nimmt Bezug auf den die Landschaftswahrnehmung elementar prägenden Faktor der Wasseraufnahme- und Wasserspeicherkapazität. Die Oberfläche des Tisches, das Spielfeld, ist bedeckt von einer vergilbten Wirtschaftskarte der DDR, die genau die Gemeinde beschreibt, in der die Landschaftsfotografien 2018 aufgenommen wurden. Viele der Verbindungswege existieren nicht mehr, Landschaftselemente sind zurückgebildet und Flurnamen geraten in Vergessenheit. Am Tisch sowie leise im Raum sind Unkenrufe zu hören, die ebenfalls in dieser Region aufgenommen wurden. Ein kurzer Ausstellungstext erklärt, dass sich unter den memo-Karten eine Bildreihe mit vier Sonderkarten befindet. Die Fotografien „Wasserloch“, „Steinablage“ und „Gehölz“ sowie die Grafik „Unkenparadies“ heben sich inhaltlich und formal von den genormten Fotografien der Felder ab. Sie beschreiben einen gefährdeten Lebensraum und eine bedrohte Art, deren sonderbare Rufe die Landschaft immer begleitet haben.