Liminal States


Versuch über zeit- und raumkonstituierende Installationen unter Verwendung mechanisch-kinetischer Klangerzeuger
SS 2015

Studierende

Philipp Hawlitschek


Projektbetreuung

Prof. Andreas Oldörp


Richtung

Audiovisuelle Kunst/sound art
Installation


Projektart

Master

Philipp Hawlitschek: Liminal States, Master 2015

Meiner Arbeit liegt ein Interesse an verschiedenen Zeit- und Aufmerksamkeitsmodi zugrunde. Zur Verfolgung dieses Anliegens nutze ich mechanische Klangerzeuger (also keine Lautsprecher), mit denen ich durch raumbezogene Eingriffe fortwährende Klänge installieren kann. Raumbezogen heißt für mich, durch die Nutzung vorhandener Gegebenheiten Aufmerksamkeitspotentiale zu erschaffen.

In Bezug auf mein Vorhaben interessiert mich in diesem Sinne eine Setzung, die nahe am Begriff des Flüchtigen ist, die also keine Scheu davor hat, das Risiko einzugehen, nicht wahrgenommen zu werden. Denn unser Alltag, unsere Umgebung, ist voll von solchen Ereignissen, die wir verpassen, die uns entwischen. Selbst wenn wir unsere Aufmerksamkeit hochfahren, gibt es genug, dem wir nicht recht habhaft werden können, wo man sich fragt, nehme ich das jetzt noch wahr oder bilde ich mir schon was ein? Also, verstärken meine Ohren den Klang oder werden meine Ohren durch die Stille, durch die Klänge an der Schwelle der Wahrnehmung verstärkt?

Dieses Tasten an den Rändern dessen, was wir noch fassen können, das Versuchen, den hinteren Ecken und Kanten eines komplexeren Klanges auch noch nahezukommen, obwohl er uns doch wegflutscht, ist der Zustand des Hörens und damit auch des in Zeit-und-Raum-Seins, den ich anstrebe. Ich möchte mich an der Erzeugung der Möglichkeit eines bestimmten Zustandes im Raum versuchen.

In zwei Räumen der ehemaligen Saarbrücker Becolinfabrik finden sich reduzierte Klanginterventionen. Im ersten Raum sind zwei Pendel, bestehend aus je einem Fünf-Kilo-Gewicht und einer langen Klaviersaite, installiert. Die Saiten werden von einer rotierenden Schnur beständig angespielt. Befestigt sind die Saiten über eine Querstrebe an der Deckenheizung, die somit zum Resonanzkörper wird. Hierbei wird ein feingliedriger Klang aus beständig ineinanderfließenden Schichten erzeugt, der wie die Pendel langsam hin und her schwingt. Lauscht man den höheren Ebenen nach, erreicht man die Grenze des Halluzinierens.

Im zweiten Raum, einem ehemaligen Waschraum, findet sich eine Vielzahl unterschiedlicher alter Rohrkonstruktionen. Aus einem grauen Abwasserrohr, das schräg die Wand herabläuft, wurde ein schmales Stück herausgeschnitten. Auf den so entstandenen beiden Rohrenden sitzen Verschlusskappen, die einen Schlitz in der Mitte haben. Durch die schmale Fuge im Rohr rotiert ein leichter Faden und erzeugt in dem geteilten Rohr einen zweigeteilten Klang, der sich im ganzen Raum verteilt. Leicht kann man ihn mit dem Ventilator im Fenster verwechseln.