Obscure Desire: gaze und das kontextualisierte Publikum. Kuratorische Reflexionen am Beispiel einer fiktiven Ausstellung


SS 2020

Studierende

Nadina Faljic


Projektbetreuung

Prof. Dr. Matthias Winzen


Projektart

Master

Nadina Faljic: Kuratierte Ausstellung, Master Kuratieren/Ausstellungswesen, 2020, Filmstill der künstlerischen Videoarbeit von Dominique Zuliani und Noelia González Olmos zu Obscure Desire

Ausstellungen betten den Blick des Kunstbetrachtenden in einen vordeterminierten Modus ein, umgekehrt kann sich auch die Ausstellung dem wertenden Blick des Betrachtenden nicht entziehen. Was geschieht, wenn eine Ausstellung dieses framing selbst thematisiert und die Wahrnehmung und den gaze des Betrachtenden in den Fokus setzt? Welche Rolle spielt dabei der Ausstellungsort? Wie unterscheidet sich die Rezeption an zwei unterschiedlichen Ausstellungsorten mit einem gemeinsamen Thema? Meine Masterarbeit untersucht die Kunstbegegnung in ihrer Einbettung im Raum. Dabei steht im Zentrum der Betrachtung das Publikum, die Publikumsadressierung und die veränderte Besucherrezeption durch das spezifische Medium Ausstellung sowie die Diskussion mit unterschiedlichen Raumwahrnehmungen und konstruierten Räumen. Die Frage nach den kuratorischen Verfahrensweisen wird anhand eines bislang nur fiktiven Konzepts einer Themenausstellung behandelt. Obskure Begierde.

Die Ausstellung mit dem Titel Obscure Desire, angelehnt an Luis Buñuels Film Dieses obskure Objekt der Begierde aus dem Jahre 1977, thematisiert Begriffe der Begierde und der sich daraus ergebenden Dichotomie des Aufdeckens und Verbergens von Begehren, Wünschen oder Utopien. Die teilnehmenden Kunststudierenden der HBKsaar erarbeiten Konzepte von Privatheit und Öffentlichkeit, die die Subjekt-Objekt-Dialektik, Intersubjektivität und den (queer, male und female) gaze offenlegen.

Ausstellungsort und Infrastruktur betten das Thema in den öffentlichen (Galerie der HBKsaar) wie auch privaten (Privathaus in der Bismarckstraße 60) Kontext ein. Die Freiheit im Haus, im eigenen Raum und das Privat/Allein-sein, konfrontieren uns mit dem Unbewussten, Phantasmatischen, den eigenen Wünschen oder auch dem Seltsamen (Mark Fisher, The Weird and the Eerie, 2017). Der gebannte Blick, beim Beobachten einer Mondfinsternis zum Beispiel, deutet auf das psychoanalytische Konzept des gaze hin und bezeichnet auch nach Jacques Lacan das sexuelle Begehren, das immer nach einem Objekt verlangt. Seit den 1970er Jahren wurde dieser Blick in Bezug auf das Geschlecht und den differenzierten Funktionen von Mann und Frau in Kunst und Film rezipiert und indes in feministischen Theorien dekonstruiert (Laura Mulvey, Visual Pleasure and Narrative Cinema, 1975). Seit dem Beginn des technologischen Zeitalters und der Verbreitung des Massenkonsums nehmen Politiken der sexuellen und kulturellen Begehrlichkeit Einzug in ökonomische, kulturtheoretische und soziologische Fragen der Repräsentation des Marginalen und Ubiquitären. Der Einzug in die Populärkultur verschafft der Thematik schließlich eine Omnipräsenz in der Öffentlichkeit.

Die Ausstellung bietet eine Auseinandersetzung entlang dieser Analysekategorien und Referenzen an das kulturhistorische Zeigen innerhalb von differenzerzeugenden Ausstellungspräsentationen und -orten. Das Ausstellungsdatum ist noch offen. Eine Zielgruppe gibt es in diesem Sinne nicht. Die Ausstellung ist an alle Schaulustige und Träumer gerichtet.

Abbildungen