"Künstliche Intelligenz", virtuelle Humanoide und damit verbundene Missverständnisse


Rauminszenierung
SS 2019

Studierende

Victor Giers


Studiengänge

Media Art & Design

Drei künstlerische Forschungsarbeiten zum Thema „Künstliche Intelligenz“, virtuelle Humanoide und damit verbundene Missverständnisse, dargestellt in einer Rauminszenierung mit Schreibtischsituation.


1. Empathie
Rezipienten lasen am Schreibtisch eine Broschüre über die Arbeitsergebnisse. Währenddessen wurden ihre Gesichter automatisch fotografiert und auf Leinwände um sie herum projiziert.
Eine visuelle „Echokammer“ entstand durch die Umgebung vom eigenen Gesicht. „Vergessen“ wurde nicht ermöglicht.

Die Reaktionen unterschieden sich von Ärger über „Überwachung“ und Nicht-Einhaltung von Datenschutzbestimmungen bis Freude über die Möglichkeit, Selfies zu machen oder Gefühl der Verbesserung der Lesesituation durch Möglichkeit der Betrachtung des eigenen Gesichtes.


2. Künstliche Maschine mit „künstlicher Intelligenz“
Ein Wandobjekt („Gerkzeuk“), gebaut aus Arbeitsresten (Plexiglashaube, Holzplatte) und der Elektronik aus dem Arbeitscomputer von Walter Giers.
Die Software auf dem Computer ist in der Lage, automatisch zufällige Bilder aus dem Internet herunterzuladen, stark zu verfremden und anschließend wieder ins Internet hochzuladen, wo die so neu entstandenen Bilder zum Verkauf angeboten werden, signiert von der Maschine – nicht von mir - die Maschine ist der Künstler.
Das Objekt verkaufte mehrere Bilder an einen Saarbrücker Kunstsammler. Seit dem steht die Frage im Raum, wie man mit dem Gerät als Künstler eine Ausstellung gestalten könne und wie das Gerät vor Publikum Rede und Antwort stehen kann. Hierfür habe ich viel mit Gesichtserkennungs-, Text-zu-Sprach-, Sprach-zu-Text-, Chatbot-, „Machine-Learning“-Software usw. experimentiert. Die Ausstellung kam nie zu Stande, statt dessen ist die Maschine heute defekt. Der künstliche Künstler produzierte die Kunst nun also nur künstlich: Der Arbeitsprozess der Maschine wurde auf die Maschine projiziert – die Lüfter drehten sich, die LED‘s blinkten - nur zum Effekt.

Das Objekt wurde personifiziert durch ein (immer schlafendes) Gesicht, dargestellt als Pseudoholografie in einem sechsseitigen Kristall (Pepper‘s Ghost Effect). Der Kopf konnte so von sechs verschiedenen Perspektiven im Raum aus ringsherum betrachtet werden. Name dieser künstlichen Person: „Iris“.
Iris ist auch einsehbar auf einer Website im Internet. Besucht man den Kopf hier, bittet er um Zugriff auf Kamera und Mikrofon des Besuchers.


3. Puppe / Ohne Titel
Persiflage an den Glauben an die „künstliche Intelligenz“
Zwei Servomotoren, verbaut in einer Blackbox, bewegen in unvorhersehbaren, zeitlichen Abständen eine Marionette. Auf der Black-Box sind Sticker aufgeklebt, welche den Hype um das Thema „KI“ repräsentieren: Zitate aus „The Matrix“, ein Terminator- sowie ein Elon Musk-Kopf, Hal 9000 usw. Manche Rezipienten ahmten die Bewegungsabläufe der Puppe nach und freuten sich über den bei ihnen eintretenden Lerneffekt, andere gruselten sich.