Kraftraum


SS 2016

Studierende

Türkten Türkmen


Studiengänge

Freie Kunst


Richtung

Malerei


Projektart

Bachelor

In der „Kraftraum“-Ausstellung wurde die Beziehung zwischen Körper und Raum in der Malerei thematisiert. Grundsätzlich zeigen die meisten Bildnisse eine Figur (den Maler) in seinem natürlichen Lebensraum, dem Atelier. Wie in der Ausstellung zeigen diese den Maler während seiner Schaffensphase. Die Schaffensphase wird oft als leidiges und tatenloses rumsitzen dargestellt. Der Maler wird immer vor der leeren, weißen Leinwand im Atelier gezeigt. Ähnlich wie bei Bruce Nauman findet hier eine Auseinandersetzung mit der Langeweile und Ratlosigkeit im Atelier statt. Doch gibt es zwischen dem Verzweifeln und dem Schaffen eine weitere Phase. Die Phase der Ideenfindung und Entwicklung. Diese taucht in aktuellen Werken auf subtile Weise in der räumlichen Situation auf. Fitness ist die Phase der Ideenfindung und Entwicklung. Anregung durch sportliche Betätigung!

Immer häufiger tauchen kleine Sportutensilien im Maler Atelier auf. Wie in der „Kraftraum“-Ausstellung zu sehen war, sind in einer dreiteiligen Serie Body Tubes angeschnitten worden. Spannend an jener Serie ist, sowohl das Auftauchen von Sportutensilien, als auch die Tätigkeit der Figur. Das „Selbstbildnis mit Handstand im Atelier“ zeigt den Maler bei seiner Suche nach Ideen für ein neues Werk, der sich auf der Ideenfindung mittels Handstand nach Anregung und Hilfe sucht. Das zweite Werk aus der Reihe „Selbstbildnis mit Kopf auf Leinwand“ zeigt den Maler in einer sehr statischen, kontrollierten und angespannten Körperhaltung. Diese Körperhaltung ist für eine erfolgreiche sportliche Leistung unverzichtbar. Der Rücken des Malers ist so gerade gestreckt, dass man ein Lineal ansetzten könnte. Das „Selbstbildnis mit Kopf auf Leinwand“ zeigt eine angespannte und in den Gedanken vertiefte Figur. Das letzte Werk aus der Reihe „Selbstbildnis mit Kopf im Papierkorb“ zeigt den endgültigen Akt der Verzweiflung. Der Rücken ist krumm und der Kopf versenkt. Das „Selbstbildnis mit Kopf im Papierkorb“ erinnert an einen Strauß, der den Kopf in den Sand steckt. Alle drei Werke zeigen Sportutensilien, die auf Leistung hindeuten. Leistung beim Sport und Leistung im Atelier. Die jüngsten Werke gehen einen Schritt weiter und zeigen den „Maler“ in einer für den Maler untypischen Situation, worin er sich nicht als Maler identifizieren lässt. In jenen Werken wird weder auf Malerei hingedeutet, noch ist eine körperlich logische oder sportliche Tätigkeit identifizierbar. Ersichtlich ist nur eine Figur in einem „Kraftraum“. Es lässt sich nur erahnen, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt. Nur aus dem Kontext des Gesamtwerkes und über die Autobiographie lässt sich erkennen, dass es sich um eine Künstlerin und speziell um eine Malerin handelt.

Jede Figur ist bestrebt Leistung zu erbringen und immer wieder zeigt sich Erschöpfung in den Werken. Ob im Sportstudio oder im Maler Atelier, in beiden Räumen müssen Leistungen erbracht werden und demnach befindet sich die Figur immer in einem „Kraftraum“.