Ich sehe, also verstehe ich?


SS 2017

Studierende

Julia Wagner


Studiengänge

Freie Kunst


Projektart

Bachelor

Ein Kunstwerk zielt fast immer zunächst mittels formal gestalterischen Mitteln auf die visuelle Wahrnehmung des Betrachters ab, um seine Aufmerksamkeit, sein Interesse, zu erwecken. Erst wenn der Rezipient sich näher mit dem Werk auseinandersetzten will, sich also emotional angesprochen fühlt, kann die Botschaft, d.h. der Inhalt, das Konzept, die Idee des Werks übermittelt werden. Wenn anschließend der Rezipient die Aussage des Werkes auch erfasst hat, kann er vergleichen und reflektieren. Dies ist der Prozess des Sichtbarmachens. Es kommt dabei immer darauf an, was der/die Künstler(in) wem sichtbarmachen will und mit welchen Mitteln dies am Besten gelingt.
Erst durch den Denkprozess, d.h. durch das bewusste Wahrnehmen und Reflektieren, kann der Rezipient auch bewusst handeln, d.h. bewusst eingreifen, Dinge verändern, gestalten oder transformieren. Der Betrachter soll eben nicht nur betrachten, sondern auch aktiv werden, sich beteiligen, einbringen und so seine verinnerlichten, automatisierten Denk- und Handelsstrukturen überdenken.
Es geht nicht darum, immer neue außergewöhnliche Kunstwerke zu produzieren, sondern sich mit der Umwelt und den Problemen der Gesellschaft auseinander zu setzen. Ich finde, die Frage, die sich ein/ eine Künstler(in) stellen sollte, ist doch, wie das scheinbar Banale außergewöhnlich und das scheinbar Außergewöhnliche banal wird.
Allgemein gesagt, besteht die Aufgabe der Kunst darin, die gewohnten Wahrnehmungsmuster des Alltags zu entautomatisieren, die Dinge wieder so zu zeigen, als würden wir sie das erste Mal sehen.
Dies wird auch in meiner praktischen Arbeit sichtbar. Der Prozess, die aktive Auseinandersetzung mit dem eigenen subjektiven Wahrnehmungsbild von der Welt bewirkt, ein neues anderes Sehen und erzeugt einen Diskurs.

Abbildungen