Fremd


Das Andere in der Fotografie - Ausstellung im Foyer der HBKsaar
SS 2016, WS 2016/17

Studierende

Christiane Dessecker
Sylvie Felgueiras
Ricarda Herguijuela
Rosita Patricia Hofmann
Ida Kammerloch
Anja Khersonska
Hanguk Lee
Sarah Niecke
Hyeonchae Oh
Julia Pierzina
Johanna Schlegel


Richtung

Fotografie


Projektart

Rundgang


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Gemacht

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Das Wort „fremd“ ist fest mit der Angst verknüpft. Es deutet eine Bewegung weg von etwas an, wie im englischen „from“, und beinhaltet ursprünglich das Entfernte, später das Unbekannte und Unvertraute. Der Begriff dient nun der Ziehung einer Grenze zwischen dem Eigenen und dem Anderen, schafft also eine Unterscheidung und inszeniert dabei gleichzeitig eine Bedrohung. Nicht nur in der heutigen Sprache der Populisten werden Hautfarben, Sprachen oder Verhaltensformen herangezogen, um sich selbst als einen besseren Menschen darzustellen. In der Geschichte hat die Fotografie oft die vermeintlich wissenschaftliche Grundlage dafür geliefert. In der Entwicklung von der Kolonisation zum Tourismus hat die fotografische Apparatur eine komplexe Rolle gespielt: Die Linse bildet eine Grenze zwischen dem Beobachtenden und dem Abgebildeten und der Film hält davon ein Bild fest. Dieses wird dann zum Vorbild für eine Denkweise, welche sich später in weiteren Bildern und Clichés fortsetzt.

Wie können wir uns also trotzdem dem Anderen fotografisch nähern – genau heute und auch außerhalb des geschützten Raumes des Lehrens und Lernens an der Hochschule? Wir müssen uns intensiv mit dem jeweils eigenen Gefühl des Fremden auseinandersetzen und dabei den Prozess des Aufnehmens in einem erweiterten Sinn versuchen zu verstehen. Ein so aufgenommenes Bild kann nicht mehr fremd sein, mindestens nicht mehr für die, die es fotografiert haben. Damit beginnt eine zweite Geschichte, die sich auf die Leistungsfähigkeit des Mediums selbst bezieht: Wie glaubwürdig sind Fotografien gegenüber der eben erst selbst erlebten Realität? Darüber haben wir oft in unserem Seminar diskutiert.

Für alle anderen Menschen ist jede Fotografie zunächst ein fremder Gegenstand. Meist wird daraus bei näherer Betrachtung eine Geschichte, ein Symbol oder ganz allgemein die Grundlage einer Erkenntnis. Das war die Grundlage des Seminars: An historischen oder gegenwärtigen Bildserien wurden die Intentionen der Fotograf*innen diskutiert, anschließend die eigenen Erfahrungen thematisiert, und irgendwann schälte sich bei jede/r Teilnehmer*in des Seminars ein eigenes Interesse heraus, das seinen Niederschlag in einer Bildserie fand. Daraus wurde eine Bildstrecke für das Jahrbuch, wie sie hier zu sehen ist, und daraus wird eine Ausstellung, die zu sehen ist, wenn das Buch erscheint.

 

Eric Lanz & Rolf Sachsse