einfach nur sitzen und warten bis der Tag vorbei ist...


WS 2018/19

Studierende

Hannah Scheiblich


Studiengänge

Kunsterziehung


Projektart

Abschlussarbeit Lehramt

einfach nur sitzen und warten, bis der Tag vorbei ist..., 2018, Kugelschreiber auf Transparentpapier, 118x41 cm (Innenmaß), Detail

Schreiben beschäftigt mich bereits seit meiner Kindheit. Damals war es ein kindliches Schreiben, das Zeichnen von Linien, die dennoch eine Bedeutung hatten, auch wenn ich noch gar nicht schreiben konnte. Und heute schreibe ich noch immer. Es ist ein Festhalten meiner Gedanken, die für mich sehr kostbar sind, weil sie sich vom einen auf den anderen Moment verflüchtigen. Ein situatives Auseinandersetzen. Ein Konservieren von Momenten, mit dem ich mich künstlerisch beschäftige.

Gedanken – sie sind immer in Bewegung, auch wenn man müde und erschöpft nach Hause kommt und einfach nur sitzt und wartet, bis der Tag vorbei ist. Aus dem passiven, resignierten Warten wird ein aktives Warten. Das Verarbeiten von Situationen. Und die Gedanken werden unterbrochen von anderen Gedanken, Empfindungen, Alltag. Aber dennoch kehren sie letztlich immer wieder zu dem zurück, was gerade wichtig erscheint. Gedanken enden nie wirklich, sondern fließen grenzenlos. So lege ich für meine Arbeit eine individuelle Formatgrenze fest, die mein Körper mir vorgibt. In einem ganz eigenen Format von 118x41 cm, das ich aus meiner physiologischen Schreispannweite ermittelt habe, schreibe ich all diese Gedanken nieder.

Während des Schreibprozesses entsteht ein automatisierter Schreibfluss, bei dem die Kontrolle über die Sinne mit der Zeit in meine Hand übergeht. Es entstehen lineare Gebilde, von denen einzelne Worte oder Buchstaben nur noch zu erahnen sind. In der Transparenz des Papiers lösen sich die schwarzen Wortstrukturen auf. Nur die oberen, beschriebenen Schichten bleiben sichtbar, während alles andere in der Tiefe verblasst und gleichzeitig den Betrachter festhält. Das Auge merkt, dass es ein Davor und ein Dahinter gibt. Ein irritierendes Sehen, da die einzelnen Schichten verschmelzen, ineinander übergehen. Es bleiben lineare Spuren, die wie gezeichnet wirken können. Beim Blättern der Seiten fangen die Linien an sich zu bewegen. Sie verschwinden und tauchen an anderer Stelle wieder auf.

Es entsteht der Eindruck von etwas Vorübergehendem. Ein Verflüchtigen der Gedanken. Der Betrachter denkt sich in die einzelnen Blätter ein. Er beginnt, sie zu betrachten, zu lesen. Jedoch ist es keine codierte Schrift mehr, die Lesbarkeit entsteht viel mehr in einem Auseinandersetzen mit der Strichführung, Strichstärke oder Schriftgröße der einzelnen Linien sowie deren Zusammenspiel. Meine Arbeit balanciert damit auf der Grenze zwischen Gedankentext und Bild. Sie ist weder Schreiben

Abbildungen