"eh wir ihn atmen" - Poem in vier Sätzen


WS 2018/19

Studierende

Nuria Herrmann


Studiengänge

Freie Kunst


Projektart

Bachelor

Nuria Herrmann: "eh wir ihn atmen" - Poem in vier Sätzen, Bachelor 2019

„Letzenendes geht es um den Körper und alles, was ich über meinen weiß … also jetzt gerade.“

Im Dämmerlicht schweben elektro-akustische Klangteppiche und scheinbare Stille, Körpertöne und eine Stimme ins Ohr, die einen Text spricht. Das Einwirken der Außenwelt auf den Körper als sinnlich erfahrbares Moment, sowohl in der Kunst als auch in der Musik, wird nachvollzogen durch natürliche und technische Elemente. Elektronische und akustische Klänge im Wechselspiel. Der Instrumentenkörper als Sinnbild für den menschlichen Körper und die Natur. Versuchte Verschmelzung durch spontane Improvisation, wobei die Elektronik verzerrte akustische Klänge wiedergibt, sich der Natur bedient, um ihr eigenes Vokabular zu entwickeln.

Die Frage nach Beheimatung als transzendentem Prozess im beseelten Körper wird hier gestellt. Inwiefern ist unser Körper, den wir überall hin mitnehmen, unser einzigstes Instrument, unser Erfahrungsmedium, um das In-der-Welt-sein zu begreifen? Selbst, wenn wir davon ausgehen, dass es in uns sensiblere Instanzen des Verstehens und der Erfahrung gibt, sind diese doch klar im Körper angesiedelt. Emotionen sind sowohl im Gehirn als auch in anderen Regionen spür- und nachweisbar. Selbst transzendente Momente können sich in physischen Empfindungen äußern. Wo werde ich berührt, wenn ich mich berührt fühle?

Der Text betrachtet vier große Elemente näher, geschrieben immer nur dann, wenn eine momentane Einsicht in einen der vier Bereiche – Herz, Haut, Atem, Enigma – ermöglicht wurde.

Die Musiker und Zuschauer sitzen im Kreis um eine Leere im Raum, um die auch die Musik kreist. „eh wir ihn atmen“ beginnt mit einer Suche nach dem, was der Körper an Wissen bereithält, jenseits von der aktuellen Obsession der Selbstvermessung. Es geht nicht darum eine App zu fragen, wie meine Schlafqualität war oder ob ich mich genug bewegt habe, sondern wahrzunehmen, was gerade in mir stattfindet. Zu fühlen und sich spüren zu lassen. Entschleunigung von dem Versuch mehr zu leisten, als wir Zeit haben zu verarbeiten.

In Zusammenarbeit mit 7 Musikern und einer Soundkünstlerin wurde das Poem am 1. Februar 2019 uraufgeführt, dauerte 40 oder 43 Minuten und kann in variabler Besetzung in Absprache mit der Künstlerin mit ihr einstudiert und an anderen Orten gespielt werden.