Das fremde Ich


Studien zum Selbstportrait
WS 2018/19

Studierende

Saskia Conrad


Studiengänge

Kunsterziehung


Projektart

Abschlussarbeit Lehramt

Porträt in der Findungsphase

Dank eines halbjährigen Auslandsaufenthaltes in Wales eröffnete sich mir ein völlig neuer Lebensabschnitt. Die fremde Umgebung, die unbekannten Menschen, die fremden Situationen und eine andere Sprache bedurften neuer, bislang unbekannter Reaktionen und Handlungen. So erschien mir das Selbst, welches ich zu kennen glaubte, plötzlich fremd. Obwohl keine Fernsteuerung oder ein gewolltes Schauspiel vorlag, schien es, als würde ich eine fremde Person aus der Distanz beobachten.
So gelang ich unabwendbar an den Punkt, mich selbst neu kennenlernen zu müssen. Das Fremde zu erforschen wurde so mein Ziel, um mir selbst nicht mehr fremd zu sein. Ich wollte meinen Leib nicht mehr nur besitzen, sondern ich wollte wieder Leib sein. Denn den Leib nur zu besitzen, fühlt sich wie der kurze Moment am Morgen an, eine Art Trance, bevor man richtig zu sich kommt.
Dieser unbewusste Zustand wurde mir plötzlich permanent vor Augen geführt. Die neuen Gefühle und die diversen optischen Einflüsse schienen jeden Tag aufs Neue, eine andere Person im Spiegel erscheinen zu lassen. Diese vielen Facetten des neuen, fremden Ichs einzufangen, zu erforschen und zu formen, wurde für mich eine Therapie, um das Fremde zu entfremden.
Oftmals eröffnete sich mir beim morgendlichen Blick in den Spiegel eine verzerrte, verschwommene Silhouette meines Gesichtes. Obwohl die erblich bedingte Sehschwäche mich bereits mein Leben lang begleitet, und mir so immer schon zwei Facetten meiner selbst gezeigt werden, war diese verzerrte Wahrnehmung anders als alles, was ich bis dahin kannte. Jedoch erschien die vertraute Verzerrung der Sehschwäche im neuen Kontext als Bindeglied zwischen dem Ich und dem fremden Ich, also dem Leib, der ich war und dem Leib, den ich nur besaß. Basierend auf dieser Erkenntnis entschied ich, die Verzerrung zum Medium der Selbstdarstellung zu machen.

Abbildungen