»Shoah« und Kolloquium

Öffentliche Filmvorführung


Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft ist die Vernichtung der europäischen Juden auf vielfältige Weise dokumentiert worden. Jede Dokumentation ist dabei auch immer eine bestimmte Form der Ästhetisierung dieses Verbrechens, die kritisch zu hinterfragen ist. Doch was könnte eine „angemessene“ Darstellungsweise sein? Kann es ein solche überhaupt geben?

 

Mit diesen Fragen befasst sich ein Kolloqium unter der Leitung von Prof. h.c. Dr. Volker Böhnigk, seit 2017 Honorarprofessor für philosophische Ästhetik an der HBKsaar, das in der Hochschuldependance Handwerkergasse Völklingen stattfindet

Zum Auftakt des Kolloquiums wird am Sonntag, 8. Juli, von 10 bis 21 Uhr, der Film „Shoah“ des französischen Regisseurs Claude Lanzmann gezeigt, der als ebenso wegweisende wie auch umstrittene Dokumentation gilt. Hierbei erweist sich bereits der Begriff der „Dokumentation“ als problematisch und diskussionswürdig. Beispielhaft soll anhand dieses filmhistorischen Meilensteins über die Vernichtung der europäischen Juden gezeigt werden, welche darstellerischen Formen im Umgang mit der Geschichte nationalsozialistischer Verbrechen bestehen.

Die Aufführung des Films soll einen Anstoß geben, sich mit der Problematik von „Ästhetisierung und Zeugenschaft“ der Shoah auseinanderzusetzen. Diese Thematik wird im Rahmen des Kolloquiums am Montag, 9. Juli, 11–18 Uhr, und Dienstag, 10 Juli, 11–16 Uhr, vertiefend in Diskussionen behandelt. In dem Kolloquium soll es um das Problem der Rekonstruktion, der narrativen Perspektive, gar Konstruktion der nationalsozialistischen Verbrechen durch den Film gehen.

 

„Niemand zeugt für den Zeugen“ heißt es in Paul Celans Gedicht „Aschenglorie“. Damit wird dem Zeugen eine Verantwortung zugewiesen, die Grundlage der filmischen Auseinandersetzung mit der Shoah ist. Eine Verantwortung, von der zu klären sein wird, ob und wie sie überhaupt getragen werden kann.

Volker Böhnigk ist der HBKsaar seit vielen Jahren verbunden, indem er regelmäßig die interdisziplinäre Lehrveranstaltung „Völklinger Gespräche“ mitgestaltet. So konzipierte er 2006 gemeinsam mit den Professoren Dr. Rolf Sachsse und Dr. Hartmut Wagner die Tagungen „Die Ästhetisierung des Alltags. Die Verselbständigung des schönen Scheins in der Massenkultur“, und unter zusätzlicher Einbeziehung von Prof. Georg Winter „Terror in Philosophie, Kunst und Design“ (2014), „Netz, Ethik, Games und Rassismus“ (2015), „Die (Un)Sichtbarkeit des Bösen“ (2016),

„Wissenschaft als Kunst – Kunst als Wissenschaft (2017). Seit 2017 bietet er ferner regelmäßig Lehrveranstaltungen zur Ästhetik an.

Öffentliche Filmvorführung: Shoah

Frankreich 1985, 566 Min., Regie: Claude Lanzmann

Sonntag, 8. Juli 2018, 10–21 Uhr, mit anschließender Diskussion

Handwerkergasse Völklingen/Atelier Prof. Georg Winter, Rathausstraße 52, 66333 Völklingen

Der Eintritt ist frei. Um Voranmeldung wird gebeten unter: v.boehnigk@hbksaar.org

 

Kolloquium: Ästhetisierung des Verbrechens. Zeugenschaft und die Shoah

Montag, 9. Juli, 11–18 Uhr, und Dienstag, 10 Juli, 11–16 Uhr

Handwerkergasse Völklingen, Atelier Prof. Georg Winter

Leitung: Prof. h.c. Dr. Volker Böhnigk

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