Förderpreise der Bank 1 Saar zeichnen herausragende Design-Absolventen der Hochschule der Bildenden Künste Saar aus.


(v.l.n.r.): Rufus Nenu Kahn, Ran Mo, Kurt Reinstädtler, Lena Ilse; Foto: Ingeborg Knigge

Bank 1 Saar-Förderpreise Design 2019

Lena Ilse - Kommunikationsdesign; Ran Mo - Produktdesign; Rufus Nenu Kahn - Media Art & Design


Die Bank 1 Saar vergibt gemeinsam mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar Nachwuchsförderpreise für je eine herausragende Abschlussarbeit in den Studiengängen Kommunikationsdesign, Produktdesign und Media Art & Design an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Die Preise, die 2019 zum fünften Mal vergeben wurden, sind mit jeweils € 2.000 dotiert und werden durch die Vereinigung der Förderer der HBKsaar koordiniert.
„Die Förderung junger, kreativer Absolventen sehen wir als einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Zukunftsfähigkeit unseres Landes – kluge, engagierte Köpfe wie unsere Preisträger sind in der Nach-Montan-Ära die wichtigen Erfolgsfaktoren“, so Kurt Reinstädtler, Vorstandsmitglied der Bank 1 Saar.
Eine Jury, der, neben Bank 1 Saar-Vorstandsmitglied Kurt Reinstädtler, die HBKsaar-Professoren Mark Braun, Burkhard Detzler, und Ivica Maksimovic sowie der kunst- und kulturwissenschaftliche Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Dr. Roland Mönig, angehörten, ermittelte die Preisträger in den Studiengängen Kommunikationsdesign, Produktdesign und Media Art & Design.
Im Rahmen der Absolventenfeier an der HBKsaar, am 19. Juli 2019, wurden die Preise durch Kurt Reinstädtler überreicht.
„Wir freuen uns sehr über dieses außerordentlich wichtige Engagement der Bank 1 Saar“ so Prof. Gabriele Langendorf, Rektorin der HBKsaar. „Dass eine renommierte Institution wie die Bank 1 Saar Absolventinnen und Absolventen unserer Hochschule mit diesen Auszeichnungen unterstützt, setzt ein deutliches Zeichen der Wertschätzung hinsichtlich der hochwertigen Design-Ausbildung in Saarbrücken.“

Die Jury begründete ihre Entscheidungen wie folgt:


In ihrer Bachelorarbeit (Kommunikationsdesign) „i’m not a robot. 21 Botschaften aus dem Interstellaren Raum“ thematisiert Lena Ilse die derzeit hochaktuelle Diskussion um das Mensch-Sein in einer digitalen, zunehmend automatisierten Welt.
Ausgehend von einer aufmerksam-kritischen Wahrnehmung des Verhältnisses von Mensch und Maschine, bzw. von menschlich-individuellem Handlungspotenzial und digital-automatisierter Online-Reaktionsfähigkeit, gelangt Lena llse zu sehr bewusst handgemachten Gestaltungskonzepten als Selbstvergewisserung der menschlichen Identität.
Im analogen Medium des Linolschnitts werden 21 visuell formulierte Botschaften gestaltet, die einerseits globale Themen wie Erderwärmung, Genmanipulation oder Migrationsbewegungen thematisieren, und die andererseits von Nutzern selbst auf Postkarten gedruckt werden können. Auf den Postkarten findet sich zudem das Statement: „i‘m not a robot“. Damit gibt sich der Mensch als Mensch zu erkennen.
Dieses Verfahren steht in Analogie zum digitalen Captcha-Test zur Unterscheidung von Computern und Menschen; hier wird bei z.B. Internetformularen dazu aufgefordert, zu bestätigen, dass der Anwender keine Maschine ist.
Allerdings bewegen wir uns dann in Form einer Online-Identität in der Maschinenwelt. Somit erweist sich die Arbeit von Lena Ilse als Aussage und Fragestellung zugleich – und überzeugt durch das komplex-durchdachte Konzept.

Ran Mo entwickelt mit ihrer Masterarbeit (Produktdesign) „Ilu – Remain. design meaningful memento arifact“ ein besonderes Objekt für das Gedenken an einen verstorbenen Menschen. Ein Objekt, das gleichermaßen Gegenstand wie auch Prozess-Anlass ist.
Zunächst ein Kerzenhalter mit einer dunklen Glasscheibe, die, wenn die Flammen entzündet werden, in der thermochromen Farbe das Bild der verstorbenen Person offenbart. Weitere ergänzende Objekte sind Erinnerungsspeicher, die z.B. Düfte – wie das vom Verstorbenen getragene Parfum – enthalten oder Klänge und Lieder, die der verstorbenen Person wichtig waren oder für die Trauernden eine Bedeutung tragen.
Somit wird nicht nur das Bild des Menschen aufgerufen, sondern auch weitere, mit ihm oder ihr in Verbindung stehende Aspekte. Hierbei wird Erinnerung zur Vergegenwärtigung, das Gedenken wird visuell und allgemein sensuell aktiviert, spendet Trost kann als intensiver Prozess erlebt werden. Wenn das Gedenken beendet ist, wird die Flamme gelöscht, das Bild verschwindet und das Erinnerungsobjekt wird wieder zu einem Kerzenständer.
Auch für Menschen, die ihren Angehörigen eine sehr persönliche Erinnerung an sich selbst hinterlassen möchten, kann „Ilu“ als Individualspeicher genutzt werden.
Ran Mo hat mit ihrer Masterarbeit ein sensibel konzipiertes Erinnerungsobjekt realisiert, das mit seiner emotionalen Intensität wie auch in der gestalterischen Realisierung vollends überzeugt.

Träume spiegeln Erlebtes wider, geben aber auch Aufschluss über konfliktbeladene Situationen, die uns beschäftigen, uns verfolgen, die wir nicht lösen können und die wir permanent in uns tragen.
Rufus Nenu Kahn hat mit seiner Diplomarbeit (Media Art & Design) „Traumraum“ einen höhlenartig, emotional bestimmten, intensiven Erlebnisraum gestaltet. Hier finden sich Zeichnungen von erschreckenden Monsterwesen, Alltagssituationen und Erzählungen in Comic-Manier mit installativen Anteilen. In der Eingangssituation werden wir konfrontiert mit skurril-surrealen Bildwelten, hypothetischen Erzählfragmenten und rätselhaften Konstellationen. Im zweiten Raum finden sich Bildmaschinen nach dem Prinzip eines Daumenkinos, das mit einer Kurbel in Gang gesetzt werden kann. Seltsame Tiere ändern hier ihre Erscheinung, werden in Bewegung gesetzt, zum Teil transformiert.
Ein Kuscheltier, flauschig und mit großen Augen, ruht auf einem Sessel, kann jedoch durch Umstülpen eine Metamorphose erfahren und wird zu einem dunklen Kraken, der vermeintlichen Schrecken birgt.
Rufus Nenu Kahn verarbeitet in seiner Diplomarbeit die eigene Identitätsfindung und gelangt dabei auf einer Meta-Ebene zu einer metaphorisch funktionsfähigen Form, in der Uneindeutigkeiten die Gesamtsituation in der Schwebe halten und das sinnlich formulierte Rätsel als Aussage die Qualität der Arbeit bestimmt.

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